Wilson, Robert Charles by Julian Comstock

Wilson, Robert Charles by Julian Comstock

Author:Julian Comstock
Format: epub


Ende des ersten Aktes. Die Lampen hellten sich auf. Pause. Viele Eupatriden begaben sich sofort ins Foyer; doch Calyxa, Julian und ich, jung und ohne Druck auf der Blase, blieben sitzen. Vor meinem geistigen Auge flimmerten noch Filmszenen, und meine Gedanken kreisten um die verlorenen Wunder der Säkularen Alten. Ich sagte zu Julian: »Hast du mir nicht erzählt, die Alten hätten Filme gemacht?«

»Zahllose, aber keiner hat überdauert, bis auf die, die man unter Verschluss hält.« Der Kulturausschuss des Dominions unterhalte ein großes Steingebäude in New York City, erklärte Julian, wo allerhand alte Texte, Dokumente und andere Sachen aufbewahrt würden, die so blasphemisch seien, dass man uns und alle anderen davor schützen müsse. Nur ein auserwählter Kreis des Klerus kenne die Schätze in diesem Archiv.

»Und diese Filme waren mit Ton aufgezeichnet und mit Farbe?«

»So ist es.«

»Und warum machen wir nicht solche Filme? Und warum nicht mehr davon? Ich verstehe das nicht, Julian. Die einfachen Techniken der Vergangenheit beherrschen wir doch noch. Wir haben zwar kein Öl im Überfluss, können aber Kohle verbrennen, damit lässt sich doch auch arbeiten.«

»Wir könnten Tonfilme drehen«, sagte Julian, »aber die Ressourcen sind anders verteilt. Dasselbe gilt für die Schreibmaschine, mit der dich dieser Dornwood hypnotisiert hat. Wenn wir wollten, könnten wir für jeden hier in Manhattan eine Schreibmaschine bauen; aber das wäre ein leichtsinniger Verbrauch an Eisen oder Gummi oder was auch immer – Material, das der Senat eupatridischen Fabrikanten zuweist, die im Gegenzug das Militär mit Waffen und anderem Bedarf versorgen.«

So weit hatte ich nicht gedacht. So gesehen war jeder Grabenfeger in Labrador eine nicht hergestellte Schreibmaschine oder ein nicht gedrehter Film. Eine traurige Regelung, doch welcher Patriot wollte dagegen sein?

»Künstler«, sagte Julian, »oder Handwerker und Ladenbesitzer müssen zusehen, wie sie auskommen mit dem Rinnsal an Restressourcen und der Zweitlese von der örtlichen Halde. Ob das gerecht ist, darf bezweifelt werden.« Er wandte sich an Calyxa. »Und? Wie findest du den Film – bis jetzt, meine ich?«

»Die Handlung?« Sie verdrehte die Augen. »Und die Lieder – pardon, die Arien – sind reichlich simpel. Die Sängerin ist allerdings gut. In den Höhen ein bisschen flach, aber insgesamt couragiert und flüssig.«

Was die Handlung anging, so widersprach ich meiner geliebten Calyxa; doch was sie zur Musik gesagt hatte, bedeutete größte Anerkennung, denn dazu hatte sie über den eigenen Schatten springen müssen.

Kaum hatten die Letzten Platz genommen, da erlosch das Licht wieder. Der zweite Akt begann damit, dass Hunderte zerlumpter Männer und Frauen vor dem Niedergang der Städte flohen, unterlegt mit einem elegischen Trompetensolo und dem leisen Prasseln ihrer Schritte. Unter diesen Menschen befand sich auch der angeklagte Pastor Boone, der (was Eula nicht wusste) den Flammen entkommen war. In einer ergreifenden Szene stieß er auf seine brutalen Häscher, die sich gegen ihn versündigt hatten und jetzt hilflos dalagen und unter tödlichen Verbrennungen litten … Boone half ihnen, Reue und Leid zu erwecken, und erteilte ihnen im Augenblick des Todes die Absolution. Er erhob sich mit Tränenspuren im Gesicht von seiner heiligen Pflicht und entdeckte in einiger Entfernung ein Kreuzbanner inmitten der Flüchtlinge.



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